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Unser Chor

Aus der Chronik

Über das Wirken des Löbnitzer Männerchores zwischen 1860 und 1897 ist wenig bekannt. Das Gründungsjahr 1860 gilt aber als gesichert. Von den Gründern sind nur die Namen des Chorleiters, des Lehrers/Kantor Ölßner und des Gastwirtes Hartig bekannt. Das erste Zeitzeugendokument, das dem Chor erhalten blieb, ist ein Bild vom August 1864. Protokollbücher über Vereinsversammlungen aus jener Zeit geben Auskunft über ein lebendiges Vereinsleben. Mitglieder des Vereins waren vor allem Angehörige des dörflichen Mittelstandes, so unter anderen selbstständige Handwerker, Gewerbetreibende und Lehrer (auch aus den umliegenden Ortschaften). Näheres ist über den Gesangverein erst ab 1897 zu erfahren, als der Chor sich sein erstes Statut gab, dessen handschriftliches Original in der Chronik des Chores enthalten ist.

 

Zu den bemerkenswerten Löbnitzer Dorftraditionen gehören die Sängerfeste, die vom Männergesangverein 1860 durchgeführt werden. Die folgenden Angaben sind in erster Linie den Protokollbüchern von Vereinsversammlungen entnommen, über die der Verein von 1987 an fast vollständig verfügt.

 

Die Wurzeln der zu beschreibenden Festtraditionen liegen in den jährlichen Stiftungsfesten. Mit besonderen Akzenten wird im Protokollbuch das 50-jährige Stiftungsfest von 1910 hervorgehoben, das in Form eines vereinsinternen Kommersabends und einer „Hauptfeier" mit zwei benachbarten Männerchören begangen wurde. Es liegt nahe, darin die Geburtsstunde künftiger Sängerfeste, die über den Verein und das Dorf hinaus reichten, zu sehen. Die Kombination von Sängerfest und vorabendlichem Kommersabend hat sich bis in die Gegenwart ohne wesentliche Veränderungen erhalten.

 

Über die Sängerfeste 1920 und 1925 erfahren wir Vergleichbares. Nur kommen zum Kommersabend „Konzert mit Ball“ und zum Sängerfest mit offensichtlich mehreren Chören noch „Preissingen“ dazu. Das Jubiläumsstiftungsfest von 1930 wird nur mit „Konzert mit Ball“ ausgewiesen, wohl auch, weil das Jahr 1927 mit der „Bannerweihe“ einem besonderen Höhepunkt für den Verein und für Löbnitz gebracht hatte. Voranzeigen in der Delitzscher und Bitterfelder Zeitung, die Aufforderung zum Schmücken des Dorfes für den Festumzug und Einladungen durch den Gemeindediener von Haus zu Haus zeugen davon. Als Preisrichter für das Preissingen (zu einem erstaunlich hohen Honorar) wurden die für jene Jahre relativen Berühmtheiten, die Herren Schiebold aus Leipzig sowie Heine und Kuhne aus Magdeburg gewonnen.

 

Die Sängerfeste 1935 und 1940 fanden nicht statt. Die Vereinsjubiläen 1955 und 1960 wurden wieder in großem Stil gefeiert. So waren an beiden Kommersabenden große Blasorchester anwesend und der Straußwalzer wurde gesungen. In beiden Fällen wurden die Sängerfeste mit 27 Gastchören, Massenchorsingen, Preissingen und Sängerball zum Abschluß gefeiert. Beide Male waren zwischen zwei- und dreitausend Gäste anwesend.

 

In den Jahren 1965, 1970 und 1975 fanden keine Sängerfeste statt. Chorchronik und Protokollbücher geben keine Auskunft über die Gründe dafür.

 

Ab 1980 wurden die Sängerfeste wieder im regelmäßigen Fünfjahresrhythmus in ganz traditionellem Stil aufgenommen. Die Abläufe blieben bis auf geringfügige Modifikationen erhalten. Am Vorabend Kommersabend, am Festtag ab 10.00 Uhr Eintreffen der Chöre und nicht nur musikalischer Frühschoppen mit Blaskapelle, gegen Mittag Empfang der Vorstände und Chorleiter, 13.00 Uhr Festumzug, ab 14.00 Uhr Singen der Chöre (2 – 3 Titel), Massenchorsingen, danach Tanz im Park und geselliges Singen, zu dem sich mehrere Chöre in zwanglosen Gruppen zusammenfinden. Preissingen hat es bei diesen Sängerfesten nicht mehr gegeben, was mit Sicherheit das Gemeinsamsingen der Chöre positiv beeinflusst hat.

 

Die Zahl der aktiven Sänger lag beim 50-jährigen Stiftungsfest (1910) bei ca. 40 Sänger. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges stellte der Chor seine Probenarbeit und das Singen ein, veranstaltete aber regelmäßig Zusammenkünfte. Auch Im Zweiten Weltkrieg ruhte die Vereinsarbeit, nachdem sie bereits in den 30er Jahren sehr zurückgegangen war. Im Winter 1945/46 begann erneut die Probenarbeit. In den 50er Jahren widerstand der Verein dem Drängen nach Gemischtchorigkeit erfolgreich und blieb Männerchor. Unterstützung erhielt er durch die LPG Löbnitz, die von 1961 bis 1989 Trägerbetrieb war.

 

Auf der Grundlage des Löbnitzer Brau- und Brennrechts wurde 1799 im Zentrum von Löbnitz eine Gutsschenke erbaut. Nach dem Hauswappen derer „von Schönefeld“ nennt sich bis heute „Zum Eichenast“. Das Gebäude kann mit Sicherheit zu den ältesten von Löbnitz gezählt werden. Sein Vereinsraum, in dem 1860 der Löbnitzer Männergesangverein gegründet wurde, ist noch heute der Probenraum des Chores.

 

Der Verein hat in seiner Geschichte nur fünf Chorleiter gehabt. 1860 bis 1888 Kantor Ölßner, 1888 bis 1934 Kantor A. Netz sen., 1934 bis 1942 Kantor A. Netz jun., 1945 bis 1972 Kurt Sattler, 1972 bis 2018 Dieter Graubner und ab 2018 Andreas Tränkner.

 

Zum Repertoire gehören volksliedhafte Männerchorliteratur, geistliche Lieder sowie klassische Stücke.